„Wie den Hl. Geist vom eigenen Vogel unterscheiden?“
(Christine Jann) In einer immer komplizierteren und komplexeren Welt werden auch Entscheidungen immer schwieriger und langwieriger. Angefangen im Supermarkt, wo einen manchmal allein die Vielzahl an Joghurtsorten im Kühlregal schon überfordert, bis hin zur Entscheidung für den eigenen Lebensentwurf, viele Situationen verlangen eine Entscheidung.
Auch im gemeindlichen Miteinander stehen verschiedene Wege zur Wahl: Altgebrachtes bewahren oder Neues wagen? Wie kann man erkennen, welche Idee gut und tragfähig und dem Willen Gottes entsprechend ist und welche nur unseren persönlichen Vorstellungen und Wünschen entspricht?
So beschrieb Dr. Bernhard Ehler die Herausforderungen, vor der sowohl der Einzelne wie auch Gruppen immer wieder stehen, wenn sie sich bemühen Kirche im Geist Gottes zu sein. In der dritten Fastenpredigt griff der langjährige Exerzitienleiter auf sieben Elemente der ignatianischen Methode der „Unterscheidung der Geister“ zurück, um die Titelfrage zu beantworten: „Wie kann man den Hl. Geist vom eigenen Vogel unterscheiden?“
Dabei geht es darum,
· sich zuerst über das Ziel klar zu werden, bevor die Mittel und Wege diskutiert werden.
· Eine Haltung der „Indifferenz“ einzunehmen, die mit Abstand alle Dinge und Optionen betrachtet und alles als gleich wichtig erachtet.
· Sich auch der eigenen Wünsche, Ängste und Voreingenommenheiten bewusst zur werden.
· Richtig hören lernen: ein Zuhören zu üben, das die eigenen Gedanken beiseiteschieben kann und so offen und aufmerksam ist für das Wort des Anderen. Nur da, wo ich nicht schon beim Zuhören mit meiner Meinung beschäftigt bin, kann Dialog entstehen.
· in die Stille gehen und in der Stille des eigenen Herzens Gott vernehmen: Jeder Mensch hat eine Anlage in sich, die hilft zwischen Gut und Böse zu unterscheiden.
· Im Dialog mit Gott und mit anderen Menschen zu prüfen: was führt zum Ziel? Der Hl. Geist ist nicht direkt sichtbar, aber an den Früchten erkennbar: Was bewirkt ein Mehr an Glaube, Liebe und Hoffnung?
· Schlussendlich im Gebet eine Entscheidung vor Gott bringen und nachspüren, wie es einem damit geht. Fühlt es sich gut und richtig an? Führt es zu innerem Friede oder eher zur Unruhe?
Dass es ein anspruchsvoller Prozess ist, den Hl. Geist von den persönlichen Vorstellungen und Wünschen zu unterscheiden, wurde wohl jedem der zahlreichen Besucher in der vollen Hl. Geist Kirche bewusst. Gut, dass der erfahrene geistliche Begleiter am Ende noch einmal betonte und bestärkte: „Wir können darauf vertrauen, dass der Hl. Geist denen geschenkt wird, die ihn darum bitten.“