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Jeder Mensch verdient respektvoll behandelt zu werden

17.08.2026

Entgegen allen Prognosen war das Wetter am Sonntag, 16. August im Oberallgäu sehr schön und mit dem Wechsel von Sonne und Wolken ideal für eine Bergmesse. 56 Neuburgerinnen und Neuburger im Bus sowie zahlreiche weitere in Privatautos ließen es sich nicht nehmen, mit dabei zu sein. Sie wurden mit einem stimmungsvollen Gottesdienst auf einer saftig grünen Bergwiese belohnt, den die „Staufener Jodler“ mit ihren wunderschönen Gesängen begleiteten. (Zusätzlich sorgten die Kühe mit ihren Glocken noch für einen ganz eigenen Sound.)

Pfarrer Kohler erzählte den weit über 200 Teilnehmenden von den Seidenstickereien der Neuburger Ursulinen. Diese kunstvollen Werke würden auch „Gemälde mit der Nadel“ genannt. Eines von ihnen illustriere das Tagesevangelium. Zu sehen seien auf der einen Seite Jesus und seine Jünger, die wie eine Wand zusammengerückt schienen, und auf der anderen Seite die kanaanäische Frau, die mutterseelenallein Jesus um die Heilung ihrer Tochter bittet. Nur ein kleines Hündlein stünde ihr zur Seite.

Der Pfarrer schwärmte von diesem Kunstwerk, das den Sinn der Bibelstelle auf den Punkt bringe. Jesus verhalte sich gegenüber dieser Frau zunächst äußerst abweisend und hart. Zuerst ignoriert er sie als Heidin und Fremde, dann sagt er sogar zu ihr, dass „die Hunde nicht das Brot verdienen, das den Kindern Israels gehöre“. Die Frau reagierte mit einer bemerkenswerten Schlagfertigkeit und antwortete, dass sogar die Hunde ein paar Brocken vom Tisch ihrer Herren bekämen. Jesus solle sie doch bitte wenigstens wie einen Hund behandeln. 
Mit dieser Antwort habe die Frau Jesus geradezu „am Schlawittchen“ gepackt und ihn zum Umdenken gebracht. Er habe offenbar gespürt, dass sein Umgang mit dieser „Ausländerin“ nicht recht war: „Frau, dein Glaube ist groß, deine Tochter soll gesund werden.“

Pfarrer Kohler appellierte an alle, menschlich miteinander umzugehen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht. Man könne sicher nicht immer alle Wünsche erfüllen, aber man könne miteinander respektvoll und menschlich umgehen. Manchmal würden die Haustiere bei uns mehr Aufmerksamkeit erfahren als die Menschen.
Zuletzt betonte der Prediger auch, dass die Kirche nur gewinnen könne, wenn sie der Stimme der Frauen mehr Gehör schenke. (Dies wurde sogar mit spontanem Beifall bedacht.)

Fröhliches Beisammensein auf der Alpe Gerstenbrändle

Wie immer hatte die Familie Endres die Bewirtung der vielen Gäste auf ihrer Alpe Gerstenbrändle bestens vorbereitet. Getränke standen bereit, Käse- und Schinkenbrote oder deftiger Wurstsalat wurden ausgegeben, und dazu gab es Kaffee und ein reichhaltiges Kuchenbuffet.

Die Gunzesrieder Blaskapelle unterhielt mit ihrem Spiel, die Kinder tobten am Spielplatz, die Stimmung war gelöst und fröhlich. Dabei kam man gut ins Gespräch – auch mit Fremden. Obwohl Regen angesagt war, blieb es bis zuletzt sonnig und trocken – ein „Hoch auf die Wetterapps“ ;-)
Kommentar eines Besuchers: „Hatten Sie heute Morgen eine Audienz beim Petrus, Herr Pfarrer?“