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Besuch bei der Polizeistation

17.03.2026

(Martin Winter) Großes Interesse fand der Besuch bei der Polizeiinspektion Neuburg am 4. März: 17 Mitglieder der Kolpingsfamilie warteten vor dem Gebäude in der Bahnhofstraße, bis uns der stellvertretende Leiter der Dienstelle, Erster Polizeihauptkommissar Thomas Reindel, zur Führung begrüßte. 

Zunächst skizzierte Herr Reindel grob die Organisations-Struktur der bayerischen Polizei: Die Polizeiinspektion Neuburg gehört zum Bereich Ingolstadt des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, das für das Gebiet zwischen Beilngries, Landsberg am Lech und Ebersberg einschließlich Flughafen München, aber ohne die Stadt München, zuständig ist. Die Aufgaben der Beamten vor Ort reichen von der Verkehrskontrolle bis zu Ermittlungen z. B. bei Einbrüchen.  

Auf die vielen Polizeiabzeichen und -mützen, die in Vitrinen ausgestellt sind, angesprochen, erklärte Herr Reindel, dass es Polizeivereine auf der ganzen Welt gibt, die vielfältige Kontakte zueinander pflegen. Aufgrund dieser Erfahrungen könne er bestätigen, dass die Polizei in Deutschland, speziell die bayerische Polizei finanziell und technisch recht gut aufgestellt sei, auch wenn in der Digitalisierung noch Luft nach oben ist. Auch die Unterstützung der Beamten durch die Politik und die Justiz sei in Bayern sehr gut.

Besonders interessant fanden die Besucher den Raum, in dem die erkennungsdienstlichen Maßnahmen durchgeführt werden: Tatsächlich sieht man dort die Geräte, die man aus Fernsehkrimis kennt; allerdings werden Fingerabdrücke seit einiger Zeit nicht mehr mit Tinte und Papier, sondern mit einem elektronischen Scanner erfasst.
 
Nach einem Blick in das Büro des Gruppenleiters zeigte Herr Reindel uns im Hof den Fuhrpark der Dienststelle. Die Einsatzfahrzeuge sind geleaste Serienmodelle der beiden bayerischen Automobilhersteller, die zusätzlich entsprechend beklebt und mit Blaulicht, Lautsprecher- und Funkanlage ausgestattet werden; die im Fahrzeug mitgeführte Ausrüstung enthält für das Einsatzteam (zwei Polizeibeamte) u.a. Schutzwesten, Helme und zusätzliche Schusswaffen. Nach den Terroranschlägen vor ca. zehn Jahren in Paris wurden der Schutz und die Bewaffnung verstärkt, so dass ein Polizist im Ernstfall ungefähr 25 kg Ausrüstung mit sich trägt, was bei einem mehrstündigen Einsatz eine erhebliche körperliche Belastung darstellt.

Für Ermittler stehen unauffällige Zivilfahrzeuge zur Verfügung; in den Gefangenentransportern ist auch ein eventuell randalierender Gefangener so verwahrt, dass er weder sich noch die begleitenden Beamten gefährden kann. 

Schließlich wurden die Besucher durch eine Außentreppe (Fluchtweg? - im Brandfall!) in den Keller zu den Arrestzellen geführt, in denen ein Festgenommener bis zu 24 Stunden festgehalten werden darf, bevor ein Richter über eine weitere Inhaftierung entscheidet. Obwohl die karge Einrichtung praktisch unzerstörbar erscheint, richten Einsitzende gelegentlich doch erheblichen Sachschaden an. 

Auf verschiedenste Fragen antwortete Herr Reindel offen und ehrlich: So hält er Neuburg für eine sichere Stadt, der Anteil der Polizei-"Gegner" habe nicht zugenommen, wohl aber die Gewaltbereitschaft dieser Gruppe. Ziel bei Auseinandersetzungen sei zunächst immer, zu deeskalieren, was den weiblichen Beamtinnen tendenziell besser gelingt; nötigenfalls muss aber auch mit körperlichem Einsatz reagiert werden. War man früher der Meinung, ein bayerischer Polizist könne alles wegstecken, werden heute persönliche Gespräche und psychologische Unterstützung angeboten und genutzt. Im Laufe seiner langen Dienstzeit hat Herr Reindel schon viele unangenehme Situationen erlebt, am meisten belaste ihn aber, wenn er jemandem den Tod eines Angehörigen mitteilen muss - auch das ist eine Aufgabe der Polizei.

Zum Schluss bedankte sich Herr Smoll im Namen der Kolpingsfamilie bei Herrn Reindel für die äußerst interessante Führung.

Wir bedanken uns bei dir, lieber Michael, für das Organisieren dieses Besuchs.
 

Bild: Michael Smoll